Karl Kübel Stiftung diskutiert auf dem Deutschen Stiftungstag über Familien im demografischen Wandel – Welche Rolle spielen Stiftungen?

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Leipzig – 18.05.2016

Karl Kübel Stiftung diskutiert auf dem Deutschen Stiftungstag über Familien im demografischen Wandel – Welche Rolle spielen Stiftungen?

Deutscher Stiftungstag 2016 in Leipzig

m Rahmen des Offenen Kanals beim diesjährigen Deutschen StiftungsTags in Leipzig diskutierten Vertreter aus Öffentlichkeit, Politik, Stiftungen, Verwaltungen sowie der Praxis zum Thema „Die demografische Entwicklung in Deutschland und ihre Folgen für die Gesellschaft“. Dabei erhielten die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Einblick, wie Gemeinden, Familienzentren und Stiftungen den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenwirken oder diesen sogar, wie im hessischen Mengerskirchen, nutzen können. Thomas Scholz, Bürgermeister, Marktflecken Mengerskirchen, beschrieb die Strukturen, die den Zuzug und eine steigende Geburtenrate befördern: „Neben einem umfassenden und qualitativ hochwertigen Unterstützungs- und Bildungsangebot braucht es vor Ort zusätzliche Rahmenbedingungen wie Bauland, ein unternehmerfreundliches Umfeld und ausgeglichene Finanzen. Ein familienfreundliches Image erhält eine Kommune nicht über Nacht und es muss stetig gepflegt werden.“ Das konnte Günter Refle, Leiter des Felsenweg-Instituts der Karl Kübel Stiftung, nur bestätigen: „Veränderungen müssen gestaltet und positiv begleitet werden. Oft geht es in solchen Prozessen um Defizite, um Probleme und immer um Geld. Es hilft, wenn ‚Externe‘ diesen Prozess moderieren und Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen. In unserem Geschäftsbereich GaBi – Ganzheitliche Bildung im Sozialraum begleiten wir Kommunen auf diesem Weg.“ Er ermutigte die Anwesenden, auch in ihrer Kommune einen Prozess für mehr Familienfreundlichkeit anzustoßen.

 

Familienleben ist heute durch eine Vielfalt an Lebenslagen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen gekennzeichnet. Dazu gab Hans-Werner Meyer, GaBi-Botschafter, Schauspieler, Ehemann einer Schauspielerin und Vater von zwei Kindern, Auskunft: „Eltern mit Berufen wie meinem brauchen besonders flexible Strukturen und Unterstützung, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu organisieren. Je größer das Netzwerk, desto zuverlässiger kann man diese Vereinbarkeit gewährleisten. Der Spruch Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen! bringt es für mich auf den Punkt. Dabei gibt es sicher nicht die eine Lösung, sondern es müssen individuelle Ansätze im Umfeld der Familien gefunden werden.“ Was das konkret in der Praxis bedeuten kann, erklärte André Borgmann, Leiter des GaBi-Modellstandortes Kita Leuchtturm in Berlin Hohenschönhausen, einem Modellstandort der Karl Kübel Stiftung: „Wir richten das Angebot in unserem Kinder- und Familienzentrum nach den Bedürfnissen der Eltern und Kinder aus und verstehen uns als Knotenpunkt im Stadtteil. Kinderbetreuung, Familienbildung und präventive Angebote finden in unseren Räumen statt. Familien in Hohenschönhausen finden unter einem Dach, was sie brauchen.“

 

Wie können Stiftungen den demografischen Wandel im Sinne von Familien mitgestalten? Sascha Wenzel, Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung aus Weinheim, erklärte: „Zum einen müssen individuelle Lösungen vor Ort gefunden werden, zum anderen müssen Stiftungen die Partner langfristig unterstützen. Wir reden hier von mehreren Jahren oder sogar über ein Jahrzehnt. Wir kommen mit einer reinen Projektförderung über ein bis drei Jahre nicht weit und erreichen auch keine langfristigen Veränderungen im Sinne von Familien.“ Daniela Kobelt Neuhaus, Vorstand der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie,ergänzte: „Man muss sich den Sozialraum und das Umfeld der Familien genau anschauen. Nur so lässt sich erkennen, was es vor Ort bereits gibt, was es noch braucht. Oft sind es kleine Schritte bzw. partizipative Angebote, die vor Ort etwas verändern. Gute Erfahrung mit niedrigschwelligen Angeboten hat die Stiftung bereits mit den Drop In(klusive) gesammelt, wo sich Eltern mit jüngsten Kindern treffen. Einige von ihnen sind geflüchtet, einige haben Migrationsgeschichte oder leben in prekären Lebenslagen, und einige Eltern können der bürgerlichen Mittelschicht zugerechnet werden.“

 

Den großen Hebel, der beim Thema demografischer Wandel spürbare Veränderungen, etwa in Richtung einer steigenden Geburtenrate, bewirken könnte, den gibt es nach Überzeugung der Diskussionsteilnehmer nicht. Aber es gibt die vielen Hebel, die im Lebensumfeld von Familien, in ihrem Sozialraum angesetzt werden können. Mit einer Orientierung an den Bedürfnissen der Familien, dem genauen Hinhören und –schauen sowie mit der notwendigen Ausdauer bei der Unterstützung lässt sich eine konkrete Wirkung erzielen, auch und gerade durch das Engagement von Stiftungen.

Mehr Informationen zu der Inlandsarbeit der Karl Kübel Stiftung und dem Projekt Drop In(klusive) finden Sie hier.